Unternehmenswerte – ein Kompass mit Interpretations-spielraum?
- Eliane Z
- 17. Sept. 2024
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Feb.

Unternehmenswerte sollen Orientierung geben. Sie sollen Mitarbeitenden als Kompass dienen – für Verhalten, Entscheidungen, Zusammenarbeit und Kultur. Doch wie klar müssen Werte eigentlich formuliert sein, um diese Funktion wirklich zu erfüllen?
Nicht nur Menschen haben Werte, auch Unternehmen. Und genau wie persönliche Werte sind Unternehmenswerte individuell geprägt. Sie transportieren Erwartungen: an Zusammenarbeit, Haltung, Verhalten und an das, was im Unternehmen als „richtig“ oder „angemessen“ gilt.
In meiner Arbeit als Coachin und betriebliche Mentorin begegne ich dem Thema Werte regelmässig. Oft dann, wenn Menschen innerlich in Konflikt geraten – mit sich selbst oder mit ihrem Arbeitgeber. Wertethemen sind selten banal. Wenn sie berührt werden, wiegen sie meist schwer.
Meine Erfahrung zeigt: Unternehmenswerte können nur dann als verlässlicher Kompass dienen, wenn sie klar definiert und konkret formuliert sind – und nicht lediglich als abstrakte Begriffe genannt werden.
In meiner beruflichen Laufbahn habe ich beides erlebt: Unternehmen, die Werte lediglich auflisten – etwa „Respekt“ oder „Mut“ – ohne zu konkretisieren, was genau damit gemeint ist oder wie diese Werte im Alltag gelebt werden sollen. In solchen Fällen bleibt offen, welches Verhalten den Werten entspricht und welches ihnen widerspricht (abgesehen von klar geregelten Punkten in Codes of Conduct).
Ob dieser Interpretationsspielraum bewusst gewollt ist oder aus anderen Gründen entsteht, bleibt oft unklar. Aus meiner Sicht ist das jedoch eine verpasste Chance – und vor allem eine potenzielle Konfliktquelle.
Denn Mitarbeitende füllen Werte zwangsläufig mit ihrer eigenen Bedeutung. Sie ordnen ihnen konkrete Verhaltensweisen zu – basierend auf ihrem persönlichen Werteverständnis. Treffen sie dann im Unternehmen auf Handlungen, die aus ihrer Sicht diesen Werten widersprechen, entsteht Irritation oder Widerstand. Der innere Wertekompass zeigt in eine Richtung, die organisationale Realität in eine andere.
Wie soll ein Unternehmen in solchen Situationen glaubwürdig darlegen, welches Verhalten den eigenen Werten entspricht, wenn diese bewusst offen formuliert sind?
Aus diesem Grund bin ich überzeugt: Unternehmenswerte entfalten ihre Wirkung erst dann, wenn sie in konkrete Aussagen übersetzt werden. Aussagen, anhand derer Mitarbeitende für sich prüfen können, ob diese Interpretation stimmig ist – oder eben nicht.
Zum Beispiel:
Respekt
Ich respektiere unterschiedliche Meinungen und setze mich aktiv für einen konstruktiven Dialog unter Mitarbeitenden ein.
Mut
Ich nutze den mir zur Verfügung stehenden Entscheidungs- und Handlungsspielraum in meinem Verantwortungsbereich bewusst und mutig.
Solche Formulierungen schaffen Klarheit. Sie reduzieren Missverständnisse – und ermöglichen echte Orientierung.
Wie siehst du das? Reicht es dir, wenn dein Arbeitgeber Werte lediglich aufzählt – oder erwartest du, dass sie konkretisiert und erlebbar gemacht werden?



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