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Persönliche (sportliche) Grenzen – zwischen Faszination und Obsession

Aktualisiert: 3. Feb.


Grenzen kennenlernen.


Grenzen ausloten.


Grenzen überwinden.


Grenzen verschieben.


Gerade im Ultra- und Extremsport ist das Thema „Grenzen“ allgegenwärtig. Kaum ein Bericht über Athlet:innen, in dem nicht davon die Rede ist. Und längst hat dieses Narrativ auch den Weg in die Businesswelt gefunden: Teams, Organisationen und Führungskräfte wollen „Grenzen verschieben“.


Was mich zunehmend beschäftigt: Ist das noch Faszination – oder bereits Obsession?



Mein persönlicher Zugang zu Grenzen

Seit über einem Jahrzehnt bewege ich mich im Ultra- und Extremsport. Und lange Zeit habe ich mir über „Grenzen“ kaum Gedanken gemacht. Ich habe mir Wettkämpfe ausgesucht, weil sie mich interessiert haben – wegen des Formats, der Strecke, der Umgebung. Gemeinsam mit meinem Coach habe ich realistisch eingeschätzt, was es an Training braucht, um diese Ziele seriös anzugehen.


Es gab immer auch Wettkämpfe, die mich zwar fasziniert hätten, für die ich aber den Aufwand nicht investieren wollte oder konnte. Und das war – und ist – völlig in Ordnung.

Erst Jahre später, als Berichte und Interviews über das „Grenzen verschieben“ immer präsenter wurden, begann ich mich bewusster damit auseinanderzusetzen. Spätestens als ich selbst für ein Interview zum Thema „Rekorde und Grenzen“ angefragt wurde, war klar: Ich muss meine eigene Haltung reflektieren. Und differenzierter hinschauen.



Grenzen als Motor der Menschheitsgeschichte

Ehrlicherweise: Ohne Menschen, die Grenzen infrage gestellt haben, gäbe es viele Errungenschaften nicht. Fortschritt in Wissenschaft, Medizin oder Technik ist oft genau dadurch entstanden, dass bestehende Limiten nicht akzeptiert wurden.


Davon profitieren wir alle.



Grenzen heute – ein kritischer Blick

Auch heute ist es in gewissen Bereichen sinnvoll, Grenzen zu testen. Gleichzeitig frage ich mich, ob sich das Thema im Sport und im Business nicht verschoben hat: weg von Neugier und Entwicklung – hin zu Selbstverwirklichung, Rivalität und Zugehörigkeit.


Grenzen zu verschieben scheint für viele zu einem Selbstzweck geworden zu sein. Und oft frage ich mich: Wissen Menschen eigentlich noch, warum sie das tun? Oder folgen sie schlicht einem Trend? Dem Wunsch, zu „inspirieren“ – ebenfalls ein stark strapaziertes Schlagwort unserer Zeit.



Inspiration – und ihre Kehrseite

Natürlich können Geschichten inspirieren. Vorbilder sind wichtig, gerade für junge Menschen. Das stelle ich nicht infrage.


Ich hinterfrage vielmehr die Motive und die Seriosität mancher Darstellungen. Wenn Rahmenbedingungen klein geredet und Grenzerlebnisse überhöht werden, um die Story spektakulärer zu machen, wird es problematisch. Dann kann Inspiration kippen – in Druck, Frustration oder sogar Gefahr.


  • Wie viele Menschen fühlen sich wirklich inspiriert?

  • Und wie viele fühlen sich klein, ungenügend oder demotiviert?


In meinen Coachings begegne ich auch diesen Schattenseiten. Menschen, die sich vergleichen. Die glauben, nicht genug zu sein. Die ihre eigenen Grenzen ignorieren – oder sich selbst verlieren.



Über Grenzen gehen – und Verantwortung

Was passieren kann, wenn Menschen über ihre Grenzen gehen, haben wir auch im Profisport gesehen – etwa bei der Ironman-WM auf Hawaii, als führende Athletinnen kurz vor dem Ziel aufgeben mussten.


Über die eigenen Grenzen zu gehen kann gefährlich sein – körperlich wie mental. Profis sind zwar betreut und überwacht, kennen ihre Körper meist sehr gut. Doch je näher man an oder über die Grenze kommt, desto eingeschränkter wird die Entscheidungsfähigkeit. Dann braucht es ein Umfeld, das schützt.



Ist Grenzen verschieben wirklich das Ziel?

Schon länger frage ich mich:

Ist das reine Ziel, Grenzen zu verschieben, wirklich lohnenswert?


Und womit wird es belohnt?


Was passiert, wenn nach Jahren des Verschiebens irgendwann das Limit erreicht ist – endgültig?


  • Bleiben Stolz und Zufriedenheit?

  • Oder Enttäuschung, Ernüchterung, vielleicht sogar Verletzung oder Krankheit?



Horizonte statt Grenzen?

In diesem Zusammenhang gefällt mir ein anderer Gedanke besser: der des Horizonts.

Grenzen wirken wie Limiten. Horizonte wie Möglichkeiten.


Der Unterschied zeigt sich schon sprachlich:

Ich bin an meine Grenze gestossen. Ich habe meinen Leistungshorizont erweitert.

Beides beschreibt Wachstum – doch das Gefühl dahinter ist ein anderes.


Gleichzeitig muss ich anerkennen: Grenzen geben Orientierung. Sie sind Referenzpunkte. Ohne sie lässt sich Fortschritt kaum messen. Horizonte hingegen sind offen, weiter, weniger greifbar.


Vielleicht liegt die Wahrheit – wie so oft – nicht im Entweder-oder.



Für wen was passt

Leistungs- und Profisportler:innen werden sich weiterhin an klaren Grenzen orientieren. Für andere Menschen, die Erfolg nicht nur in Zahlen, Zeiten oder Rängen messen, sondern auch in Gefühlen, Ressourcen und Entwicklung, kann das Denken in Horizonten entlastend und stimmig sein.


Ein Patentrezept gibt es nicht.



Bewusstsein als Kern

Am Ende ist vielleicht nicht entscheidend, ob wir Grenzen oder Horizonte erweitern wollen – sondern warum.


Warum investieren wir Zeit, Energie und Aufmerksamkeit in etwas?

Was gibt es uns – und was kostet es uns?


Für mich ist diese Reflexion zentral.

Für andere mag sie überflüssig erscheinen.


Ich für meinen Teil ziehe meine Grenze dort, wo es nur noch darum geht, einem Trend zu folgen. Und auch wenn ich mich aktuell eher meinen Horizonten widme: Grenzen werden immer eine Rolle spielen – bewusst oder unbewusst.


Vielleicht geht es letztlich nicht darum, sie zu verschieben.

Sondern sie zu kennen.


Horizonte
Horizonte

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