Tortour 2016 – von Grenzen, die sich verschieben, und solchen, die bleiben
- Eliane Z
- 30. Okt. 2024
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Feb.
Teil 1: aufgezeigte Grenzen

Das Thema Grenzen beschäftigt mich seit einiger Zeit intensiv. In diesem Beitrag möchte ich unterschiedliche Facetten von Grenzen anhand eines persönlichen Beispiels reflektieren: meiner Teilnahme an der Tortour im Jahr 2016 – meinem ersten Ultracycling-Rennen.
Das Foto links entstand im Jura, nach gut einem Tag Renndauer und rund 700 von insgesamt 1’000 Kilometern, die ich im Zweierteam absolvierte. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir bereits seit mehreren Stunden nicht mehr gut. Übelkeit und Magen-Darm-Probleme begleiteten mich, feste Nahrung war nicht mehr möglich, die Kräfte liessen langsam nach.
Und doch war genau dieses Rennen prägend. Die Erfahrungen aus der Tortour 2016 haben meine folgenden Jahre im Ultrasport massgeblich beeinflusst.
Ultracycling als Paradoxon
Ultracycling ist für mich ein Paradoxon: Um persönliche Grenzen zu verschieben, muss ich gewisse Grenzen bewusst überwinden – andere hingegen darf ich nicht (zu oft oder zu lange) überschreiten.
Ein Ultracycling-Rennen wird grösstenteils im Bereich der Grundlagenausdauer (GA1 und GA2) gefahren. Die Grenze zur Laktatschwelle sollte dabei möglichst selten und nicht über längere Zeit überschritten werden. Übersäuerungen lassen sich im Verlauf eines langen Rennens oft nicht mehr ausreichend kompensieren. Wer diese Grenze ignoriert, riskiert, sich nicht mehr erholen zu können.
Das setzt voraus, die eigenen Leistungsbereiche zu kennen – und sie zu respektieren.
Meine persönlichen Grenzen
Ich kenne meinen Körper heute sehr gut. Ich weiss, dass meine Beine viel leisten können. Mein Verdauungstrakt hingegen deutlich weniger. Aufgrund einer Runners Colitis reagiert er sensibel auf langanhaltende hohe Belastungen. Wird eine bestimmte Belastungsgrenze überschritten, ist die Durchblutung des Verdauungstrakts eingeschränkt, was zu Entzündungen führt.
Mein Verdauungstrakt ist damit mein Bottleneck.
Wenn ich im Ultrasport Grenzen verschieben will, muss ich mich primär an dieser Grenze orientieren – und Strategien entwickeln, um sie zu respektieren, statt sie zu ignorieren.
Strategien im Umgang mit Grenzen
Aus dieser Erkenntnis heraus habe ich für mich konkrete Anpassungen vorgenommen:
Sitzposition
Ich fahre bewusst eine weniger aerodynamische Position im Triathlon-Lenker. Eine tiefere Position wäre zwar effizienter, belastet jedoch durch die stärkere Krümmung zusätzlich den Bauchraum. Aerodynamisch gehe ich damit nicht an meine Grenzen – körperlich aber bleibe ich handlungsfähig.
Ernährung
Um den Verdauungstrakt möglichst zu entlasten, habe ich meine Ernährung über mehrere Jahre auf ketogen umgestellt. So konnte mein Körper den Grossteil der Energie über Fettverbrennung bereitstellen. Verpflegung ist im Ultrasport ein zentrales Thema: Ohne Training der Nahrungsaufnahme wird Energiezufuhr schnell zum limitierenden Faktor.
Diese Strategien entstanden nicht aus Ehrgeiz, sondern aus dem bewussten Umgang mit Grenzen.
Mehr zu weiteren Grenzerfahrungen – mentalen, emotionalen und strukturellen – folgt in Teil 2.



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